“Leo” Lukoschik’s Saab ist Geschichte

09.12.14 Saab 003 - verkleinert 500

Gar nicht weit von mir, in einem der einfachereren Viertel mit Quadratmeter-preisen von knapp 10 Euro, steht vor einem Haus ein Auto, das manche vielleicht noch als das Spät-80er-Automobil der Münchner Szene kennen: Ein Saab 900 Turbo. Der Wagen ist mit seinen Spoilern und dem Bürzelheck nicht wirklich das, was man als schön bezeichnen würde, aber er hatte das Glück, eine Rolle in der Fernsehsendung “Leo´s Magazin” zu spielen. Moderator Andreas Lukoschik fuhr in einem Wagen dieses Typs damals durch München.

Früher, bei mir im Westviertel, nur ein paar hundert Meter entfernt, residierten in einem Altbau auf der Mainzer Landstrasse die roten Millionäre, der KBW, Kommunistische Bund Westdeutschlands. Prominentestes Mitglied von damals, Ulla Schmidt unsere Ex-Gesundheitskostenabzockministerin, die mit dem in Spanien abhanden gekommenen 500er Dienstwagen. Die KBW’ler unterhielten damals eine ganze Flotte Saab – Dienstagen, 54 Autos wie man mal lesen konnte. Und es könnte sogar ein Exemplar gewesen sein ähnlich wie dieses: Baujahr 1987, wie die Sendung.

Da wo ich herkomme, in meiner Heimatstadt, hat man das Fahren eines solchen Fabrikats deshalb lange als klassisches Merkmal linker Einstellung bezeichnet, wobei die undogmatische Linke heute, selbst da, wo sie sich als explizit antikapitalistisch versteht, allerdings mit der CDU und FDP von heute mehr Berührungspunkte haben dürfte, als mit klassischen Kommunisten.

Ur-Saab_1947

Saab war seit damals für mich auf immer mit Leo Lukoschik und dem KBW verbunden und deshalb zu sehr 70ies in Frankfurt und den 80ies in München. Nicht mal die Chinesen wollten sich Saab jetzt in letzter Minute noch andrehen lassen. Wieder eine Firma weg und eine tote Automarke   mehr.

Der Saab 96, Nachfolger des Ur-Saab von 1947 auf dem Foto, war immer ein Auto, was mir trotz Rotem-Socken-Geruch immer gut gefallen hat, bis heute.

Mit Deppen-Apostroph. 

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12 Gedanken zu ““Leo” Lukoschik’s Saab ist Geschichte

  1. Echt ein klasse Beitrag.

    Ich habe damals Leos Magazin verschlungen und hatte es bis eben, als ich den Beitrag gelesen habe, vergessen gehabt. Kaum zu glauben, dass das schon so lange her ist.

    Zu Saab. Das war gemessen an anderen Autoherstellern die letzten 30 Jahre nur noch ein Nischenhersteller, der so wie andere auch, kaum noch eine Überlebenschance gehabt hat. Schade, denn sie haben teilw. schöne Autos gebaut.

    Starker alter Artikel über den KBW Detlef. Also Nachbarn hattest Du ja im Westviertel gehabt, da wundert man sich.

    Dieter

  2. Schön, wie Du hier Erinnerungen an eine echt gute Sendung mit hochholst. Ist aber ja auch schon fast 20 Jahre her. Ich habe gleich mal etwas gegoogelt und wundere mich, dass man so gut wie nichts über Leo’s Magazin findet.

    Die alten Saab waren schon gute Autos. Der Untergang begang ab dem Zeitpunkt, wo General Motors das Kommando übernahmen.

    Bernd S.

  3. Doch.

    Denn die bauten ab GM nur noch Autos, die keiner wollte und mit Saab rein gar nichts mehr zu tun hatten.
    GM hat die Firma schon im Ansatz nicht verstanden und gründlich kaputt gemacht. Ich jammer den langweiligen Kisten keine Träne nach.

  4. Ich trauere Saab schon nach, allerdings shcon seit der Übernahme durch GM. Ich hatte zwei Saab, ein 900 Turbo Coupé und ein 900 Turbo Cabrio. Wunderbare Autos, mit kernigen Motoren, straffem Fahrwerk, sehr eigenständiger Optik und sehr guter Verarbeitung und im Turbo Coupé auch einem enormen Platzangebot. Als es dann nur noch Opel Derivate waren, wurden sie immer langweiliger und normaler.
    Da ich ja wahrlich nicht in dem schlimmen Verdacht stehe, linker Gutmensch oder Öko zu sein, habe ich auch nie in das gebastelte Image gepasst. Heute gehört, im Gegensatz zu früher, die Links- und Ökoklientel ja ohnehin zur kleinkarierten und Spiesserfraktion, da passen dann eher irgendwelche Ökojapsen.

    Aber, die Evolution hat Saab dahingerafft, das ist nunmal so wenn man als Kleinhersteller in die Beliebigkeit abrutscht, da gibts dann nix zu bedauern.

    Gerd

  5. @Herr W. aus M.

    Naja, Saab hat seine Identität schon vor der 1989 erfolgten Beteiligung und anschließenden Übernahme durch GM aufgegeben. Der 1985 vorgestellte Saab 9000 basierte auf der “Type Four” Plattform, die dem Saab sowie dem Fiat Croma, dem Lancia Thema und dem Alfa Romeo 164 als Grundlage diente und von diesen Firmen ab 1979 entwickelt wurde.

    @gerd

    Der 900 war einfach klasse!

  6. @gerd,

    das Elend begann vermutlich schon etwas früher. Das mag sein.

    Hatten die nicht alle die gleichen Türen?
    Als Lancia Thema sah das wenigstens noch etwas chick aus.
    Obwohl, ich schreib das nur weil ich in den 80igern so einen Thema V6 fuhr. Wenn er denn fuhr. Das schlimmste Auto, was ich jemals hatte. Was für eine Gurke!

  7. Bin eigentlich beim Googeln nach Leo’s Magazin auf diesen Beitrag und auf das Motorblöckchen gestoßen. Klasse geschrieben. Beinahe jede alte Fernsehserienkamelle kriegt man heute als DVD zu kaufen. Ich habe die Sendungen damals in mich reingefressen, leider finde ich keine DVD oder Video. Komisch.

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