Jerry Speyer’s Parkbank für Bürger

 

 

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Im frühen Mittelalter brachten zum Teil Vorfahren heutiger Hütchenspieler und Kaufleute bevorzugt zur Messezeit, aus allen Ecken des Reiches und aus den südeuropäischen Nachbarländern Bargeld in meine Stadt, so verschieden wie die Gebiete, in denen sie geprägt worden waren. Die Unübersichtlichkeit beim Münzgeld begünstigte Betrug und Wucher. Die Frankfurter erkannten: Einheitliche Wechselkurse mussten her. Seit 1585 trafen sich alle Kaufleute und Händler regelmäßig zu Beginn der Messezeit auf dem Römerberg, um die Kurse festzulegen. Die Frankfurter Börse war geboren und spätestens seit 1605 wurde sie auch so genannt, vermutlich nach dem mittellateinischen Begriff  bursa  für Geldbörse. Ende des 17. Jahrhunderts bekamen die frühen Börsianer im Haus “Großer Braunfels” am Liebfrauenberg ein Dach über dem Kopf; zu dieser Zeit begann auch der Handel mit Schuldscheinen und Anleihen.

Inzwischen werfe ich jetzt wieder häufiger Blicke in die hießigen Regionalzeitungen, deren Immobilienteile, und mancher vom Gelben eingeworfene, ungeöffneter Immobilen-Finanzbrief, wird wieder gelesen. Hätte ich früher wieder begonnen, dann hätte es die Krise gar nicht gegeben.

Überall ist zu lesen, Normalität ist wieder eingekehrt, die Büromieten haben sich stabilisiert, mancherorts verspürt man sogar Nachfragesteigerungen. Wenn ich aber meine drei bevorzugten KKP-Portale im Internet durchlese – kurz-knapp-präzise – darunter immerhin für mich eines der besten, das hier, und dann hier erwähne, dass wir den freien Fall aus dem 10. Stock erst noch vor uns haben (relativ problemlos, bis man zum Parterre kommt), und die 60 Billionen Euro Spielschulden  einfach weitgehend auf den Staat, also alle übertragen wurden und noch weiter werden, komme ich da nicht wirklich klar mit.

Irgend einen Grund gibt es immer, wenn Journaille einem erzählt, im Nordend werden die Vermieter demnächst knapp.  Wir Frankfurter können uns helfen, wir gehen an Pfingsten ins Wäldsche und wenn wir uns nicht gleich ins Bett legen, geruhen wir auf unseren Parkbänken in unseren Gärten. Jerry Speyer, der, dem das von der Autobahn weithin sichtbare Wahrzeichen, der Messeturm gehört, der dank weniger ruhmreicher tiefbrauner Vergangenheit meiner Stadt, sich als verlorener Sohn bester persönlicher Kontakte zu Petra  rühmen kann, hat uns grade mäzenenatenhaft einen solchen geschenkt, 5.000 qm groß etwa, mit 1 Parkbank, neben seinen 170m hohen 160.000qm großen Opernhaus Tower gegenüber dem Opernhaus.

Am Wochenende sind – erwartungemäß – nur 7 US-Banken pleite gegangen. Capmarc, das ist darunter eine der Pleiten, die die FDIC nicht so nebenbei am Freitagabend abwickelt, sondern eine, über die wir auch hier noch hören werden.  Der ganze CRE-Bereich, in Amiland wie hier, ist halt eine üble, schmierige Kiste, und da werden wir noch einiges sehen. 

Hohe, zunehmende Arbeitslosigkeit, über 7 % weniger Geld im Beutel,  hohe Mieten für Geschäfte und Büros und steigende Preise für Eigentumswohnungen, passen einfach nicht zusammen, wie mir mal Anfang der 80er der Herausgeber eines renommierten Wirtschftsbriefes Abends auf seine Art der Bierdeckelformel erklärte. Von da an hatte ich es kapiert… und 1989 eine kleine Studie für einen Mandanten gemacht, “Immobilienkrisen im Spiegel der Presse”…  

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►  …in Groß…

Früher hatten wir auch schon Krisen in unerer Stadt. und viele Hütchenspieler, vor allem Probleme aus dem Eigenheimsektor und überschuldeten Käufern. Aber jetzt kommt erst die richtige Welle der Krise, die große, anders wie damals, dieses Mal bei den Besitzern von Mietobjekten, speziell Gewerbeobjekten. Und nicht nur in den USA tut sich da grade noch so einiges. Vorsorglich sei vermerkt, dass es bei Gewerbeimmobilien nicht nur Banken, sondern auch Privatinvestoren zerrbröseln wird – und angesichts der massiven früheren Bewerbung solcher Anlagen in Deutschland, die Müllkippen der Banken, Fonds, sind randvoll damit – denn in solide Fonds gehört Betongold rein – ist  das Problem schon näher, als manche denken.  

Kleiner Tip: Spart Euch dieses Jahr die 6,90 EUR für das blödsinnigste Oldtimer-Magazin, was es gibt, Marktpreise 2009. Fragt besser mal nach dem Marktpreis Euerer Lebensversicherung nach, lasst Euch mal die aktuellen Rückkaufwerte inkl. Überschüsse mitteilen. Einer unserer Mandanten,  der davon ausging, im Renteneingansalter 65, in 8 Jahren, sein Betongold voll entschulden zu können, hat da kürzlich sein Ohhh-Erlebnis gehabt…

Und  Jerry Speyer,  dem verlorenen Sohn meiner Stadt? Ihm solls  gar nicht gut gehen.  Vielleicht bestellt er noch  größere Schilder

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Wir Bürger setzen uns schon mal hin, auf seine  Parkbank, und bleiben da sitzen, denn anders wie in einem Hotel, wo wir gehen dürfen wenn wir bezahlt haben, müssen wir sitzenbleiben, bürgen für wen?… was habt Ihr denn geglaubt woher das Wort stammt und wer Parkbänke bezahlt?

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10 Gedanken zu “Jerry Speyer’s Parkbank für Bürger

  1. Wunderbarer Artikel der nur vom echten Frankfurter sein kann, vielen Dank dafür und für die Aufklärung. Die Bak steht ja weit genug weg von der Glasfassade. Wahrscheinlih hat Jerrx Angst, er spiegelt sich darin.

    Hartmut W.

  2. Die Bank gewinnt immer. So wirds kommen, lesen Sie heute mal die Lachnummern über die beabsichtigten Bankenkontrollen.

    Schöner Blogbeitrag.

    Christian H.

  3. Solange die HRE von Ihnen und mir gestützt wird und der Staat nachschiesst, läuft es weiter. Der Staat tut das Geld in die HRE, und die füllt damit Verluste auf, und viele Fonds können noch etwas weiter wurschteln. Ich denke, es wäre jetzt eine hochspannende Sache, mal etwas über die Initiatoren solcher Luftimmobilien zu machen.

    Politiker wie Frau Roth und alle, reden immer vom systemischen Risiko der HRE, aber man sollte doch auch mal öffentlich die Herrschaften benennen, die es erwischen würde, wenn sich die HRE wie beim kleinen Häuslebauer, nicht mehr beim Staat, sondern bei jenen bedienen würde, denen sie diese Luftschlösser finanzierte.

    Werner S.

  4. Herr Kupfer, haben Sie nicht ein etwas abgelegenes Haus? Prima! Dort braucht die Krise vielleicht etwas länger, um hin zu finden. Haben Sie auch noch Ihr alte Fahhrad? Behalten! Hat das Haus einen grossen Garten (freie Sichtachse auf….)? Vielleicht finden sich irgenwo alte Fenster, um ein paar Gewächshäuser anzulegen, und ein paar Bretter für einen Hühnerverschlag. Und vielleicht ist auch eine gute Konditorei in der Nähe. Mehr brauchts nicht zum totalen Glück, oder?

  5. Womöglich auch noch die Butter selbst machen? Ich nutze lieber den Tauschhandel. Mähe einer sehr gut bekannten, alten Nachbarin manchmal den Garten oder fahr sie auch mal wohin, dafür gibt es von ihr Tomaten, Paprika, Zucchini, Zwiebeln, Salat und Eier von ihren Hühnern.

    Man sollte vielmehr tauschen, auch berufliche Dienstleistungen. Das spart Steuern, die sonst bei ausländischen Investoren von insolventen deutschen Unternehmen landen.

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  6. Tauschhandel ist nicht blöd. Das Problem ist nur: Dafür muss man geboren sein. Ausserdem Detlef, das Problem was ich sehe: Was tauschst Du gegen einen neuen Motor?
    Bärbel

  7. Pingback: - 4 qm Leerstand durch Gernot Gaulke « MotorBlöckchen

  8. Am Opernplatz riecht es leicht nach Napalm.

    Sage mal noch einer, dass die Finanzkrise nicht auch ihr Gutes hat:

    Megapleite 1: Tishman Speyer und Black Rock gehen mit dem Investment in die Suyvesant Town und Peter Cooper Village unter Milliardenschulden über den Jordan.

    http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703415804575023483097973538.html?mod=WSJ_hps_LEFTWhatsNews

    Megapleite 2: Zwei Fonds von unserem HRE/IKB – JC Flowers – der Mann, der an deutschen Banken in Not reich werden wollte – sehen die Blumen von unten.

    http://egghat.blogspot.com/2010/01/hsh-und-hre-heuschrecke-gratscht-ins.html

    Ja, so sind sie, die bewunderten Macher, die neuen Herren der Welt. So sieht man sie gerne: Als Versager, denen das Geld anderer Leute ausgeht.

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  9. Kleine Klarstellung, Detlef.
    Tishman ist natürlich nicht pleite – nur das Projekt-Equity ist weg … tut auch weh, ist aber zu verkraften.

    “Of the $5,4 billion price tag on the Stuyvesant property, Tishman invested only $112 million of its own money, with about $56 million from Jerry Speyer and Rob Speyer, co-chief executives of the New York-based company. “

  10. Noch schöner wäre es, wenn ihnen auch ihr eigenes ausgänge. Aber da wird genug von dem anderer Leute auf den Caymans liegen.

    In Deutschland hängen einige von den großen Heuschrecken, die hier hundertausende von Wohnungen aufgekauft haben, auch in den Seilen.

    Christian

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