Talbot, Rüsselsheim und der Main.

Das hier ist ein Talbot Lago T26 Grand Sport 1950.

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Das ist nun wirklich ein schönes Auto, ein Klassiker des frühen Nachkriegsdesign, mit 120 PS und einer modernen Karosserie. Trotzdem ging Talbot kurz danach fast pleite. Die Firma edelster Sport- und Luxuskarosserien wurde 1959 an Simca verkauft, die selbst dann 1971 an Chrysler verkauft wurde, um dann in Folge der Ölkrise der Automobilkrise der 70er Jahre, 1978 wiederum an Peugeot-Citroen weiterverkauft zu werden, wo Talbot dann als Name für Kleinwägen verwendet wurde. Mit den glorreichen Zeiten, als Talbot mit Bugatti, Alfa und Delahaye die Rennstrecken beherrschte, hatte das nichts mehr zu tun. Eine Schande, sicher.

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Ich war in den letzen 18 Monaten dreimal in Rüsselsheim,  sehr schön am Main gelegen. Und auch ansonsten beschäftige ich mit der Kfz-Historie dieser Firma vor meiner Stadt

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Eine Staumauer den Fluss runter anlegen, fluten, und schon muss man sich das abwechselnde Dauergewinsel der Opel-Chefs, ihres unerträglichen Opel-Blitz’er Betriebsratsschwätzer Frantz  und der amerikanischen Strippenzieher von GM nicht mehr anhören, die Milliarden Euro Steuergelder für ihren flachliegenden Autoabsatz in Europa fordern, nach der Devise, wer uns   retten darf, bestimmen wir selbst, oder… Dass gerade Opel quäkt, ist kein Zufall – hat die Deutsche Bank doch erst 2008 das Kursziel für die GM-Aktie auf 0,00 gesenkt. Nachdem der Versuch, in den USA an Staatsgeld für missglückte Karren nicht klappte, will jetzt der Deutsche Michel zahlen, mit aller Gewalt.

Es geht nicht nur mir so, aber ich wünsche mir zunehmend, dass die Bundesregierung mit ihren Opel-Plänen scheitert. Versteht mich nicht falsch; mir tut jeder einzelne Opel-Arbeiter leid, der dann auf der Straße stehen und in seinen Lebensumständen ziemlich durchgerüttelt werden wird, und ich habe dabei keinerlei Illusionen, dass das in einer Vielzahl von Fällen in allergrößter Bitterkeit ablaufen wird, genau so wie vor ein paar Jahren, als bei Mercedes-Benz die große Entlassungswelle rollte, und genau so wie hier und jetzt bereits.  Aber das wird OPEL wahrscheinlich so oder so, ob der endgültige Käufer nun Magna, RHI oder sonstwie heißt, oder ob der ganze Laden schließlich dort landet, wo er von anfang an hingehört hätte, nämlich in der Insolvenz.

Da wird doch immer verrückter, da ist der Opel-Magna-Deal nicht mit EU – Recht vereinbar, deshalb sollen jetzt auf einmal die  Staatshilfen wieder von Magna entkoppelt werden, rein in den Pantoffel, raus aus dem Pantoffel, und dann stellt sich heraus, dass der Autoabsatz dort, wo Opel zukünftig Autos verkaufen will, auch am Boden liegt, und noch schlimmer als hier.

Gut, Opel verdanken wir kfz-historisch  den RAK-2 Raketenwagen und mit dem Opel Olympia den ersten Serienwagen mit selbsttragender Karosserie. In den 20er Jahren war fast jedes zweite Auto in Deutschland ein Opel. Auch nach dem Krieg baute man noch beachtliches, unter anderem schöne Kapitäne, mit denen mein Papa Taxi fuhr. Ich war schon beeindruckt mal durch die leere, einstmals größte Autoproduktionshalle Europas zu laufen…

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Missmanagement und Weltwirtschaftskrise zwang 1929 die Opel-Firmeninhaber den Laden an GM zu verkaufen. Immerhin ging es mit dem Fahrzeugbau damals weiter, und auch Öl- und Wirtschaftskrisen konnten der Firma nicht den Garaus machen. Opel hat aber ab den späten 70er Jahren einfach zu viele Fehler gemacht, nicht nur Manta-Manni-Prollschlitten für das Ruhrgebiet, und das alles hat in den Köpfen überlebt, bis heute.

Talbot hat Autos gebaut, die für die Zeit im Vergleich zu anderen zu exotisch und zu teuer waren. Opel baut Autos, die im Vergleich zu anderen zu schlecht, zu gewöhnlich und zu teuer sind.

Wir stecken mitten in einer Weltwirtschaftskrise, unsere Strassen sind inzwischen mit über 50 Millionen Autos verstopft, es werden einfach zu viele Autos gebaut, und Opel hat weder ein tolles Design noch einen tollen Ruf, Opel hat weder einen tollen Elektroantrieb, es gibt eine Brennstoffzelle von GM die Opel nicht einbauen darf, oder sonst etwas, das einen dazu reizen könnte, trotz Krise und Kreditknappheit genau so einen Opel zu kaufen. Opel ist noch hässlicher als die neuen C- und E-Klasse Modelle von Mercedes-Benz, schlecht, langweilig und hat die erfolgreichen, hauseigenen Legenden wie den Opel-GT verramscht.

Natürlich kommen sie jetzt alle, nicht nur bei Opel, mit der Lügerei, sie würden nach Jahrzehnten von Versprechungen, der Benzinfresserei schnellstens umweltfreundliche, spritsparende  Opel Ecoflexe und Amperas entwickeln  die schon übermorgen in den Verkaufsräumen stehen, ein dreister Witz, wenn man die Entwicklungs- und Vorlaufszeiten bei der Serienproduktion von Autos von 7 – 9 Jahren und zudem die noch nicht gelösten technischen Problemen der neuartiger Antriebe kennt. Nichts von dem hat Opel im Köcher. Und wenn Firmen das nicht hinbekommen, wenn Firmen in dieser Richtung die Trends verschlafen haben, dann sind das vor allem die amerikanischen Marken und ihre deutschen Ableger. Es hat schon keinen Sinn mehr gemacht, die Verschrottung von Altautos – wie von Opel – mit einer Prämie zu belohnen und dann die Halden der technischen Opeldinosaurier zu verkaufen, die mich dann auf dem Weg zum Feldberg hoch ausbremsen und überholt werden müssen.

Wie man an Talbot und vielen anderen stolzen Marken sehen kann, man nehme nur mal die ausgestorbene englische Autoindustrie!, ist das normal. Opel hält sich für zu wichtig, so wichtig wie Rover oder Panhard oder die Rootes-Gruppe, und alle mussten erkennen, dass es auch ohne sie geht. Es wird auch ohne Opel gehen. Sollte GM pleite gehen, wird Opel verschwinden und den Markt anderen Firmen überlassen, die besser sind und dem Markt bessere Lösungen anbieten. Es gibt keinen plausiblen Grund, der deutschen Tochter eines US-Konzerns zur indirekten Finanzierung ihrer lahmen, spritsaufenden Mühlen Milliarden reinzuschieben, wenn damit innovative Hersteller Absatzprobleme bekommen, wenn in der Forschung nicht genügend Kohle da ist, um hier neue und schnell realisierbare Technologien zu entwickeln.

Vielleicht findet sich auch jemand und kauft das Europageschäft von GM. Behält Opel als Billigmarke. Emerging Markets und Drittweltstaaten haben kein Problem mit veralteter Technik, von den UdSSA bis nach Nigeria, Firmen wie Jaguar für Indien oder MG und Rover für China, nicht neues. Die Geschichte ist voller Marken, die Krisen nicht überlebten. Und es wäre schon ein verdammter Zynismus der Industriegeschichte, wenn Firmen wie Talbot, oder Borgward auch mal nicht zu vergessen, verschwinden mussten, und sowas wie Opel würde mit Milliardenbeträgen auf Steuerzahlerkosten gerettet, während bei uns 1,7 Millionen Kinder nur 63 Cent pro Monat für Spielzeug haben  und fast dritteweltmäßig unterhalb der Armutsgrenze leben.

Ne ne, das hat in den letzten 100 Jahren noch nie funktioniert und wird auch jetzt nicht funktionieren.  verdammt, kapiert das denn keiner? Deshalb lieber wirklich den Adam-Opel-Stausee über Rüsselsheim anlegen. Wie man an den Nidda-Seen an den Resten der Fischerei im Wasser sieht, kann das sogar durchaus romantisch wirken…

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Aber wie dem auch sei: wenn wir uns mit derart simplen Wahrheiten nicht anfreunden wollen, dann haben wir von der sozialen Marktwirtschaft definitiv nichts verstanden  und sie ist nicht das richtige für uns.

Tapfer bleiben.

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16 Gedanken zu “Talbot, Rüsselsheim und der Main.

  1. @ Heiko M.

    Aber eine HRE und eine Landesbank hat Bayern. Die waren nicht so billig wie Opel. Gelle ? Opel, Quelle, Arkandor, armselige Billigheimer.

    Starker Blog.

    Michael B

  2. Off topic – Euere Systemtheoriedebatte ist hoch interessant. Vor allem lehrreich, wenn einer dagegen hält.

    Detlef Kupfer

  3. Na her mit, wenn Sie noch so viele schöne Fotos haben. Aber bitte mit ebensolchen schönen Geschichten.

    Gefällt mir gut hier. Nicht nur der Einheitsbrei aus Foren, nicht so extrem politisch wie beim Spiegel o.ä., sondern auch mal Klartext.

    Ich schätze, Sie können auch Ihr Thema H-Kennzeichen, was Sie im Mercedes-Forum ja mal vor 3 Jahren angestoßen hatten, bald wieder vorholen. Wenn die PKW-Maut kommt, dürften die 190-EURO Zeiten Vergangenheit sein. Nicht nur Opel dürfte bis dahin ein Stück Vergangeheit geworden sein. Ich bin da mind. so skeptisch wie sie. Fass ohne Boden und ohne Chance jemals auch nur wieder halbvoll zu werden.

    Roland G.

  4. Herr Kupfer,
    Ihr Vergeleich zu Talbot ist spitze. So muss man es halt auch mal sehen. Ich glaube nur kaum, das in 50Jahren jemand ein Foto vom Isignia ins Internet einstellt, so wie Sie den talbot.
    Am Montag die 4-7000 Quellebeschäftigtn, heute verkündet Transnet den Abbau von 13000 Leuten bei der Bahn,b was soll da der ganze Terz um Opel. Aber ruhig ist es in den letzten Tagen schon um Opel geworden finde ich.
    T. Berger

  5. Pingback: S – Klasse « MotorBlöckchen

  6. Ich habe grade gelesen, der Deal mit Magna scheint geplatzt zu sein. Ist auch wahrscheinlich besser so. Das ist keine geplante Insolvenz, sondern eine Pleite der Politik. Das alles hätte man 1 Jahr früher haben können um gleichzeitig neue Weichen zu stellen.

    Das sich GM tatsächlich jetzt Hoffnungen macht, selbst die 4,5 Milliarden Bürgschaft vom Bund zu ziehen um Opel selbst zu sanieren, schlägt dem Fass den Boden aus. Für mich war das mit einkalkuliert.

    Ziemlich sauere Stimmung bei Opel.

    Detlef, Du hast mit Deiner Prognose ziemlich gut gelegen. Es wird eine Menge Arbeiter die Jobs kosten, das ist das Bittere. Aber soo schnell haben wir ja zum Glück für die Bonzen in Hessen keine Wahlen mehr.

    Michael B.

  7. Pingback: IAA 1951

  8. Ein sehr sehr gut geschriebener Beitrag, der letztes Jahr in treffender Weise vorhersah, was sich inzwischen immer mehr abzeichnet.

    Ich bin der gleichen Meinung. Opel in Insolvenz gehen lassen. Angesichts der sinkenden Absatzzahlen müssen Kapazitäten in Höhe von 1 – 1,5 Mio. Autos einfach weg vom Markt.

  9. Pingback: 12.04.2011: Preisverfall der Korruption

  10. Pingback: Auch Opels langsamer Tod ist ein Tod

  11. Pingback: Opel, die Bad Bank der Automobilindustrie

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